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Finnland-Lexikon: Begriffe mit B

 

Bahn fahren in Finnland

Per Bahn durch Finnland

Die finnische Bahn, die über ein Streckennetz von 5.860 km verfügt, ist seit 1995 vollständig privatisiert.

Bahnfahren ist in Finnland eine preiswerte Alternative zum Autofahren.

Ein Reisebericht

Bahn fahren

Der Schaffner und eine junge Frau mit frechen geflochtenen Zöpfen und schwarzbuntem winzigem Kopftuch standen vor mir. Sie redeten ununterbrochen auf mich ein. Ich verstand nur Bahnhof. "Do you speak English?" erlöste mich dann endlich die Blondine. "Yes I do." "It's all okay with you?" Ich sah von einem zum anderen.

Was wollten die von mir? Dann fiel mir ein, dass Sascha, als er mich zum Zug gebracht hatte, noch mit dem Schaffner gesprochen hatte. Ob er ihn gebeten hatte, nach mir zu sehen? In den letzten Tagen hatte ich mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Der jäh hereinbrechende Frühling mit seinen fast sommerlichen Temperaturen machte mir zu schaffen. Also beeilte ich mich "yes" zu sagen. Zufrieden nickten beide, betonten, dass ich mich melden solle, wenn irgend etwas sei.
Die Krankenschwester, als solche hatte sich die junge Frau vorgestellt, sitze ganz in meiner Nähe. 
Ich bedankte mich ein wenig verlegen und sie liessen mich allein.

Inzwischen war der Zug noch keine zehn Minuten von Kajaani aus gefahren und bis Helsinki war es weit. Fast 10 Stunden würde es dauern. Mit dem Schnellzug. Tagsüber gab es zwei Verbindungen, die kürzer waren. Aber ich hatte keine Lust, den ganzen Tag im Zug zu verbringen und mich deshalb für den Nachtzug entschieden. In Deutschland bin ich durch Studium und Beruf bedingt auch viel mit dem Zug unterwegs gewesen: von Neubrandenburg nach Plauen, von Berlin nach Mannheim, von Mannheim nach Bremen oder Düsseldorf.

Immer hatte ich es aber vermieden, nachts zu fahren. Ich war durch eigene negative Erlebnisse ängstlich geworden. Hier aber im fernen Finnland, ja was sollte mir da passieren!

Ich zog meine Schuhe aus, klappte die Sessellehne weiter nach hinten und machte es mir bequem. Links und rechts zogen Wälder und Seen an mir vorbei. Ich tauchte ein in die Natur und genoss sie. Noch immer war es hell und nur die Lichter in den hin und wieder in die Landschaft gestreuten Häusern, liessen auf die späte Abendstunde schliessen.

Der Schaffner kam und kontrollierte die Fahrkarten. Gelegenheit für mich, mir meine näher anzusehen. Weniger als 600 Finnmark (ca. 200 DM) hatte ich für die Hin-und Rückfahrt bezahlt und da waren die Platzkarten schon inbegriffen. Ich konnte mich nicht erinnern, in Deutschland schon einmal so günstig gefahren zu sein. Vielleicht sollte das der Gegenpol zu den enorm hohen und stark schwankenden Benzinpreisen sein. Sie waren zwischenzeitlich auf 7.35 FIM geklettert. Noch vor einem Monat lagen sie eine Mark tiefer. Von Kajaani nach Helsinki waren es knapp 600 km. Wenn ich von einem Verbrauch von 8 l auf 100 km ausging, müsste man allein für die Benzinkosten 700 FIM hinblättern. Oh, oh, das ginge ganz schön ins Geld! Ich jedenfalls war froh, im Zug zu sitzen, mich entspannt zurücklehnen und in einer deutschen Illustrierten blättern zu können. Ich hatte sie an einem der "Kioski" in der Stadt für 20 FIM erstanden. In Berlin oder anderswo hätte sie nur 5 DM gekostet. Aber das war mir egal. Hin und wieder braucht man eine Lektüre, die man auch ohne Wörterbuch versteht.

"Are you okay?", unterbrach die Krankenschwester meine Gedanken. Ich nickte nur.
Aus meiner Tasche kramte ich die Plastiktüte mit dem "Ruispalat". Anfangs dachte ich, es handele sich um Reisbrot. Wegen der ähnlichkeit zum deutschen Begriff. Aber ein Blick ins Wörterbuch verriet schnell, das es aus Roggen besteht. Bei diesem frisch so köstlich schmeckenden Brot, für das es wohl kein deutsches äquivalent gibt, hat jede der bereits paarweise gepackten Scheiben eine ganzseitige Kruste. Meine hatte ich mit "Kinkku" (einer Kochschinken ähnlichen Wurst), Käse, Tomate und Gurke belegt. Genau, wie ich es mochte und so biss ich genüsslich zu. Warum hatte ich mir nur nichts zu trinken mitgenommen? Auch das schönste "Ruispalat" kann trocken schmecken. Was blieb mir also übrig? Ich zog die Schuhe wieder an und machte mich auf in den "Ravintolavaunu", die Mitropa. Beim Einsteigen hatte ich gesehen, das er nur zwei Wagen entfernt ist. Um von einem zum anderen Waggon zu gelangen, muss man auf die grün leuchtenden Knöpfe an den Durchgangstüren drücken. So weit so gut. Da lässt sich auch kaum etwas falsch machen. Schwieriger wurde es dann schon im Speisewagen. Nervös las ich die vielen kleinen Täfelchen und dann kaufte ich das, was man wohl in vielen Ländern der Welt versteht: Coke.

Als die Flasche leer war, suchte ich nach einem Abfallbehälter. Blechkästen unterhalb der Fenster gab es hier nicht. Ich sah mich fragend um. Und dann entdeckte ich unter dem Sitz eine blaue Plasteschale. Das also war der Papierkorb.

Im Waggon waren nur einige Fensterplätze belegt. So leere Züge habe ich selten gesehen. Gerade zwischen Mannheim und Neustadt standen die Fahrgäste manchmal gestapelt wie in ölsardinenbüchsen. Aber schliesslich war es spät abends und auch kein Wunder, das in einem Land, das zwar fast so gross wie Deutschland ist, aber nur 6 % der Bevölkerungszahl aufweist, weniger Leute mit dem Zug fahren.

Aus dem Lautsprecher dröhnte eine Ansage. Erst in finnischer, dann in schwedischer und zum Schluss das Wichtigste in englischer Sprache: "We'll shortly arrive Iisalmi".

Als der Zug weiterfuhr, suchte ich das stille örtchen auf. Pieksauber war es.

Der Schaffner murmelte "Iisalmi", schritt langsam durch den Wagen und liess sich die Fahrkarten von denen zeigen, die zugestiegen waren. Mir lächelte er zu.

Ich beschloss, es mir noch gemütlicher zu machen, knöpfte das Kissen von der Sessellehne ab, legte es auf die Armstütze des Fenstersitzplatzes und machte mich auf beiden nebeneinander stehenden Stühlen lang. Mit meiner Jacke deckte ich mich zu. Ich las noch ein bisschen in dem finnischen Märchenbuch in deutscher Sprache, das wir in Kajaani ausgeliehen hatten und druselte irgendwann ein.

Als ich aufwachte, standen wir auf dem Bahnhof in Kouvola und waren nur noch 150 km von Helsinki entfernt. Ich hatte mehrere Stunden fest geschlafen und kein Schaffner hatte mich geweckt, obwohl das Personal inzwischen gewechselt hatte.

Eine Minute früher als laut Fahrplan kamen wir in der finnischen Hauptstadt an. "We hope we will seen you soon again", tönte es aus dem Lautsprecher. Yes, you will, antwortete ich in Gedanken.

erlebt im Juni 2000


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