Wenn wir Deutschen das Wort Teer hören, denken wir an frischgeteerte Wege, in denen wir mit den Schuhen fast steckengeblieben sind oder an die Probleme, die es beim Entfernen von Teerflecken aus der Kleidung der Kinder gibt.
Und uns fallen nicht zuletzt die gesundheitlichen Risiken, die durch den Teergehalt in Tabakwaren entstehen ein.
Wenn man in Finnland von Teer spricht, meint man in der Regel den Naturteer.
Ein altes Sprichwort sagt:
Wenn Teer, Schnaps und Sauna nicht helfen, gibt es keine Hilfe mehr.
Teerschwelen ist seit Beginn unserer Zeitrechnung bekannt und als die Nadelwälder im Süden weitgehend abgeholzt waren, verschob sich das Zentrum der Teerindustrie nach Finnland.
Während heute Finnland als Exporteur von Holz-und Holzwaren internationale Bekanntheit genießt, war das Land früher der größte Teerlieferant.
Bis zu 250.000 Hektoliter Teer wurden pro Jahr verschifft.
Vor allem Handelsschiffe dichtete man bis zum 1. Weltkrieg mit Teer ab, aber auch Dächer von Kirchen und Häusern. In Finnland wurden auch Schlitten, Gartengeräte und Werkzeuge geteert.
Teer diente zur Hautpflege, linderte Husten und andere Beschwerden und half auch in der Tiermedizin.
Im Kainuu Museum in Kajaani kann man sich ansehen, wie dieser Naturteer in Meilern gewonnen wird.
Harzreiches Holz, also Kiefer oder Fichte wird in
gleichgrosse, etwa meterlange Stücke zerhackt.
Eine Teergrube mit mehreren Metern Durchmessern wird gegraben. Die Grube muss konkav sein, damit der Teer zum Boden tropft und durch ein Rohr
abfliesst.
Die Seiten der Grube werden verlehmt. Das Holz wird mit den dicken Enden nach aussen zu einem Hügel aufgeschichtet und dann mit nassem Torf bedeckt.
Der Haufen wird
anschließend von ganz unten angesteckt. In der Mitte der Grube entstehen Temperaturen bis zu 400 Grad Celsius.
Der erste Torf
fließt nach 48 Stunden.
Derzeit erlebt der Teer eine Renaissance. Er wird praktisch wiederentdeckt.
Gute traditionelle Teererzeugnisse, die den echten, einheimischen Kiefernteer enthalten, erkennt man am Duft und an der Farbe.
Teer wird z.B. verwendet für Teerschampoo. Es säubert den Haarboden, vermindert Jucken und Schuppen und eignet sich besonders gut für stark fettendes Haar. Es ist mild und kann ggf. auch täglich verwendet werden