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Wie erzieht man ein Volk und kann man es überhaupt erziehen? Diese Fragen stellen sich die Mächtigen dieser Welt seit Jahrhunderten. Ein Patentrezept hat bis heute niemand gefunden.
Das hält aber keinen davon ab, immer wieder Versuchsballons zu starten, die vor allem, wenn sie ins Extreme fallen, zur Bauchlandung verurteilt sind.
Vor 90 Jahren, Anfang Juni 1919, wurden in Finnland Herstellung, Verkauf und Verwendung von über 2 prozentigem Alkohol verboten.
Die Zeit der Prohibtion dauerte in ihren Ausläufern strenggenommen bis 1968, denn erst da wurde auch das Alkoholverbot im ländlichen Raum aufgehoben. Die ersten Spezialverkaufsstellen für Alkohol (ALKO) hatte es bereits 1932 gegeben.
Das Ziel des Alkoholverbotes, den Alkoholkonsum der Finnen einzuschränken, wurde verfehlt. Alkoholschmuggel, illegale Brennerei und Schwarzmarkt blühten. Verbotenes erzeugt nicht nur bei Kindern einen besonderen Reiz.
Vor 5 Jahren fiel die finnische Regierung ins andere Extrem, senkte die Alkoholsteuer und sorgte so dafür, dass der statistisch festgehaltene Alkoholverbrauch in die Höhe schoss.
Inzwischen hebt man die Alkoholsteuer wieder nach und nach an und bewirkt damit, dass noch mehr Alkohol auf den Schiffen oder in den Nachbarländern, vor allem in Estland gekauft wird.
Wer einmal mit einer Fähre von Helsinki nach Tallinn und zurück geschippert ist, weiss, dass kaum ein Finne ohne sein voll mit Kartons von Lonkero, Bier oder Siideri beladenes Wägelchen von Bord geht.
Böse Zungen behaupten, dass die meisten Finnen, die schon mehrfach in Tallinn waren, nicht mehr von der Stadt kennen als die Kneipen direkt am Hafen.
Der Etelä-Suomen Sanomat schrieb gestern in seinem Leitartikel von der "nie endenden Liebe und dem Fluch", den der Alkohol für die Finnen darstelle und von einem "neurotischen Verhältnis" der Finnen zum Teufel Alkohol.
Die Zeitung hat Recht und übertreibt dennoch.
Die Finnen sind zwar inzwischen die stärksten Trinker in Nordeuropa, aber beileibe nicht in der Welt.
Manchmal hat man den Eindruck, sie wollen das Image pflegen, das ihnen anhaftet, weil es sie spannender und geheimnisvoller macht.
Das Alkoholproblem teilen sie mit vielen anderen Völkern der Welt.
Kann man ein Volk, alle Völker durch Verbote erziehen? Egal ob es um Alkohol, Zigaretten oder andere Drogen geht?
Der Etelä-Suomen Sanomat hofft auf das Erstarken der Abstinenzbewegung, die in Finnland gut verankert sei.
Würde es nicht vielleicht mehr bringen, die Menschen zu gesundheitsbewusstem Verhalten zu motivieren, zum Beispiel durch geringere Gebühren für gesundheitliche Betreuung bei verantwortungsvollem Umgang mit Alkohol und änlichen Stoffen? Mit Loben statt Strafen?
(03.06.2009, 20.00 Uhr)
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