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Sie sitzen an einem Tisch und reden. Miteinander und zu Sachfragen. Und kaum ein Wort dringt nach draussen.
Sechs finnische Parteien, deren Ziele und Motive kaum unterschiedlicher sein könnten, versuchen seit nunmehr zehn Tagen einen gemeinsamen Nenner zu finden: Kokoomus, Sozialdemokraten, Grüne, Schwedische Volkspartei, Christdemokraten und Linke.
Auch wenn Jyrki Katainen, designierter finnischer Premier und bisher Finanzminister, gestern feststellen musste, dass noch viele Fragen offen sind, allein der Fakt, dass bisher niemand ausgeschert ist, spricht zum einen für eine kluge und geduldige Verhandlungsführung durch Katainen, zum anderen aber auch für den Willen aller beteiligten Parteien das Land regierbar und stabil zu halten, ihm eine Zukunft zu geben und an diese zu glauben.
Die Parlamentswahl am 17. April in Finnland wurde wie Wahlforscher prophezeit hatten, zu einer Protestwahl. Protest aus Enttäuschung.
Die Finnen waren stolz darauf, weltweit das Land mit der geringsten Korruptionsrate zu sein bis der rauhe Wind der Realität sie mit dem Wahlfinanzierungs-Skandal einholte, ein Politiker nach dem anderen sein Gesicht und das Volk zunehmend das Vertrauen in Politik und Politiker verlor.
In dieser Situation punkteten jene, die sich als Saubermänner präsentieren konnten, die zudem noch versprachen, mit ungeliebten Reglementierungen und Vorschriften durch die ach so ferne Europäische Union aufzuräumen und den sich durch die weltweite Wirtschaftskrise auch in Finnland zuspitzenden sozialen Unterschieden zu Leibe zu rücken: die Wahren Finnen.
Die Bürger wollten Veränderungen, Bewegung und stimmten für die Partei, die diese am nachhaltigsten und lautstärksten versprach, die Wahren Finnen.
Dass Soini und seine Mannen die schon für sie reservierten Regierungssessel leer liessen und wegen des Portugalpaketes lieber auf den harten Oppositionsbänken Platz nahmen, liess die Zustimmung für sie auch nach der Wahl weiter steigen.
Die HS-Gallup-Umfrage in der letzten Woche ergab, dass die Wahren Finnen stärkste Kraft wären, würde jetzt gewählt werden.
Diese Haltung der Bürger, aber auch die Erwartungen der Partner Finnlands in der Europäischen Union üben starken Druck auf die laufenden Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung aus.
Gut, dass die Runde der Sechs die Ruhe bewahrt und sich auch von den Holzhammerparolen der Wahren Finnen nicht aus dieser bringen lässt.
Was Finnland ganz sicher nicht braucht ist ein mit heissen Nadeln zusammengestricktes Regierungsprogramm, das beim ersten heftigeren Sturm in Fetzen zerfällt.
Und vielleicht gibt die Besonnenheit der Regierungsverhandlungen der Bevölkerung auch ein Stück der den Finnen nicht nur nachgesagten, eigenen Besonnenheit und die Erkenntnis zurück, das sich mit Parolen zwar eine Revolution im Wasserglas auslösen, ein Land aber nicht aus seiner Schieflage führen lässt.
(30.05.2010, 06.00 Uhr)
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