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Von der Vorsitzenden der finnischen sozialdemokratischen Partei war neulich eine Zahl zu vernehmen, die aufhorchen liess: Bezieher von niedrigem Einkommen seien Personen, die weniger als 3.000 Euro monatlich erhalten.
Weniger als 3.000 Euro?
Wo hat die Frau diese Zahl her?
Vom Statistischen Amt Finnlands nicht. Das gibt das finnische Durchschnittseinkommen mit 2.490 Euro im Monat an.
Etwa die Hälfte der Finnen bleibt unter dieser Grenze.
Vom nationalen Institut für Gesundheit und Soziales auch nicht. Das sah ein Einkommen von 1.100 Euro als vermeintliche Armutsgrenze in Finnland an.
Von den 200.000 finnischen Rentnern, die als arm gelten und im schlimmsten Fall von 500 Euro Volksrente leben müssen, ganz sicher auch nicht.
3.000 Euro monatlich sind in Finnland das Einkommen der Mittelschicht.
Warum setzt die SDP-Vorsitzende das Einkommen der Mittelschicht mit niedrigem Einkommen gleich?
Aus Unkenntnis der realen Situation und ökonomischer Proportionen?
Entspringt diese Zahl vielleicht einem Wunschdenken oder ist sie nur ein peinlicher Versprecher?
Oder ist sie gar, wie die Tageszeitung Kaleva am Freitag vermutete, ein Ausdruck von zu grosser Ehrlichkeit der Führerin der Sozialdemokraten Finnlands?
Will sie damit fundamentieren, dass die SDP 110 Jahre nach ihrer Gründung in Turku von ihren Idealen abgerückt ist und nun die Mittelschicht als ihr Klientel sieht?
Sei es, wie es sei.
In jedem Fall darf man von Politikern auch ausserhalb von Wahlzeiten klarere, überlegtere, fundiertere Aussagen erwarten.
(13.09.2009, 8.30 Uhr, Quellen: Helsingin Sanomat, Kaleva Leitartikel vom 12.9.2009)
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