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Karriere oder Familie - Dauerthema auch in Finnland

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Vereinbarkeit von Kind und Beruf

Die rasche Alterung der finnischen Bevölkerung ist ein ernstzunehmendes Problem, das hat die Politik inzwischen auch erkannt und versucht, wie die Diskussion über die Anhebung des Rentenalters gezeigt hat, mit hektischen Massnahmen gegenzusteuern.

Aber eine Bevölkerungspyramide lässt sich nicht mal schnell von jetzt auf gleich umdrehen und um die Wirkung ihrer Fehlentwicklung abzufedern, ist ein Bündel von Massnahmen erforderlich. Die Lebensarbeitszeit zu verlängern, reicht als Medizin allein nicht aus.

Ein Aspekt, der eine wesentliche Rolle in der Entscheidung für ein eigenes Kind spielt, ist die Frage der Vereinbarkeit von Karriere und Familie.
Ins Licht der finnischen Öffentlichkeit kam er zum Jahresende 2008 erneut vor allem deshalb, weil Bildungsministerin Sari Sarkomaa sich entschied, ihre Familienzeit zu nehmen.
Nun könnte man sagen, in Finnland ist die Berufstätigkeit von Frauen normaler als in anderen westlichen Ländern, das zeige doch, dass Kind und Beruf vereinbar und in dieser Richtung alles in Butter sei. Und man könnte auf das fast legendäre Beispiel von Paavo Lipponen verweisen, der es sich als Ministerpräsident damals nicht nehmen liess, Vaterschaftsurlaub zu nehmen.
Man würde aber an der Oberfläche plätschern und Tatsachen verkennen.

Ein Drittel der jungen Frauen in Finnland befürchtet, dass eigene Kinder dem beruflichen Vorwärtskommen hinderlich sind. Unter hochqualifizierten Frauen glauben sogar 40 Prozent daran. Nur 10 Prozent der finnischen Väter machen von der Möglichkeit, Vaterschaftsurlaub zu nehmen, Gebrauch.
Diese Zahlen, die der Helsinsingin Sanomat am 13.12.2008 veröffentlichte, und die sich in der gegenwärtigen miserablen wirtschaftlichen Situation noch verschärfen dürften, zeigen deutlich, dass auch in Finnland die Frage Familie oder Karriere eine ist, vor der in der Hauptsache Frauen stehen.

Warum? Nicht zuletzt weil die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen bei aller formalen Gleichberechtigung gewaltig sind und die Löcher in der Haushaltskasse der Familie grösser wären, wenn der Mann mit dem Kind zu Hause bleibt.
Ganz abgesehen von der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, die aktuell in den Köpfen vieler Finnen schwirrt und den Wunsch nach einem eigenen Kind in den Hintergrund treten lässt, solange man noch zu den Glücklichen gehört, einen Job zu haben.
(11.04.2009)

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