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Im ersten Halbjahr 2009 waren in Finnland zehnmal so viele Arbeitsplätze in Gefahr wie im Jahr zuvor.
Im finnischen Fernsehen hat neulich Professor Jyrki Liesivuori vom Gesundheitinstitut laut darüber nachgedacht, wie sich die Einstellung der finnischen Jugendlichen zur Arbeit gewandelt hat. Sie würden Arbeit zwar als wichtig, aber nicht als alleiniger Lebensinhalt sehen.
Zeugt das nicht gerade angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Finnland vom Realitätssinn der jungen Generation?
Ist es nicht gut, sich nicht nur an die Erfüllung von beruflichen Zielen zu klammern, sondern seine Erfüllung auch in anderen Bereichen der Gesellschaft zu suchen und zu finden?
Die Zeiten, in denen man sein ganzes Arbeitsleben lang für ein Unternehmen tätig war, sind endgültig vorbei.
Nun gilt es sich immer besser den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen, flexibel zu sein, sich ständig weiterzubilden und wenn nötig auch einen völlig neuen Beruf zu erlernen.
Die heutigen Jugendlichen würden bei ihren Bewerbungen um einen Arbeitsplatz mutiger auftreten, ihre Vorstellungen und Anforderungen zum Beispiel an Lohn und Urlaub klarer artikulieren, als frühere Generationen.
Das könne zu Konfliktsituationen führen, auch wenn viele Arbeitgeber, sich ebenfalls in ihren Einstellungen gewandelt gätten.
Arbeit ist und bleibt ein wesentlicher Teil des Lebens.
Ist da der Wunsch, einen Arbeitsplatz, der mit eigenen Vorstellungen vereinbar ist, einer, an dem man sich wohlfühlt, gebraucht und gefordert wird, zu finden, nicht überaus verständlich?
Wer will von den Heranwachsenden ernsthaft verlangen, dass sie Arbeit um jeden Preis annehmen.
Viele Menschen, die dem Arbeitsleben ein zu grosses Gewicht beimessen, die für ihre Arbeit leben, zerbrechen, wenn der Job wegfällt und fallen in ein tiefes Loch.
Machen wir uns nichts vor, auch aus der "neuen" Einstellung der Jugendlichen schwingt eine gewisse Resignation mit, aber auch der Wille, etwas aus dem Leben zu machen und sich nicht runterziehen zu lassen.
Diese Motivation der jungen Leute gilt es zu nutzen.
Es macht Sinn und ist an der Zeit, über neue Formen und Strukturen der Arbeitswelt nachzudenken, Eigeninitiative, Selbständigkeit und Unabhägigkeit zu fördern, ihnen eine Zukunft ohne Angst zu geben.
Und ist die Idee so von der Hand zu weisen, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich den eigenen Arbeitsplatz selbst zu schaffen?
In den finnischen Schulen hat sich die Projektarbeit bewährt.
Die jungen Leute sind es gewohnt, gemeinsam an der Lösung auch von kniffligen Aufgaben zu arbeiten.
Warum wird nicht mehr Geld dafür eingesetzt, zu konkreten Aufgaben, Projekte für arbeitslose Jugendliche zu initialisieren, sie anzuleiten, ihren Ehrgeiz und ihr Engagement zu wecken?
Auch wenn sich die Einstellung der finnischen Jugendlichen zur Arbeit gewandelt hat, ist es doch eher eine Änderung in eine gesunde Richtung.
(10.07.2009, 14.10 Uhr)
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