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Kein Bock auf Europa?

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Wahlkrampf, der niemandem nutzt

Gähnende Langeweile, Einfallslosigkeit, das sind Merkmale, die den diesjährigen Wahlkampf zu den Europawahlen in Finnland über Parteigrenzen hinweg charakterisieren.
Wo bleiben die pfiffigen Werbeideen, die man sonst aus finnischem Marketing kennt? Weit und breit nichts von ihnen zu sehen.
Man wird den Eindruck nicht los, dass die Parteien sich von vornherein mit einer niedrigen Wahlbeteiligung abgefunden und die Flinte ins Korn geworfen haben, bevor überhaupt das Startsignal zum Wahlkampf gegeben wurde.
Potenziert der monotone Wahlkampf nicht noch das ohnehin vorhandene Desinteresse der Bürger und wäre es nicht eher Aufgabe der Parteien und ihrer Kandidaten, die Finnen für Europa zu begeistern, sie zu überzeugen, dass ihre Stimme gebraucht wird, damit die Stimme Finnlands in Europa gehört wird?
Wenn aber schon die Politiker im Wahlkampf resignieren, warum sollen dann die Bürger statt gemütlich mit der Familie am Kaffeetisch zu sitzen oder am Strand in der Sonne zu braten, sich auf den Weg an die Wahlurne machen?

Finnland on Line hatte sich Ende April an alle finnischen Parteien gewandt und deren Kandidaten gebeten, zwei kleine Fragen zu beantworten. Von den 241 Kandidaten antworteten 11. Das sind sage und schreibe 4,56 Prozent. Desinteresse. Und dieses spürbare Desinteresse der Kandidaten an ihren Wählern schlägt nicht nur uns, sondern in diesen Tagen den Bürgern in vielfacher Form entgegen.
Glauben die Kandidaten vielleicht selbst nicht daran, in Brüssel etwas für Finnland ausrichten zu können?
Reizt sie etwas ganz anderes als der Wunsch und Gedanke etwas bewegen zu können, an der Kandidatur?
Und warum kandidieren von den derzeitigen 14 finnischen Mitgliedern des Europäischen Parlaments 9 nicht mehr? Keinen Bock mehr auf Europa? Oder ist es ein Gefühl der Ohnmacht, das sie davon abhält?

241 Finnen stehen auf der Kandidatenliste für das Europäische Parlament. 241 Kandidaten buhlen um 13 Sitze.
Was für ein Schmarn! Kandidaten, die kaum einer kennt tummeln sich auf den Listen, Promis auch.
Wie soll der Wähler in diesem Stimmzettel-Dschungel überhaupt durchsehen? Wie gross ist die Chance, dass Kandidaten mit Sachkenntnis gewählt werden, die in Brüssel wirklich mitreden können und nicht nur durch Striche auf den Anwesenheitslisten glänzen?
Wäre es nicht im Interesse Aller und vor allem Finnlands gewesen, die Liste der Kandidaten klein und übersichtlich zu halten? So dass man keinen Kompass brauchen würde, um sich durchzufinden und die Besten über Parteigrenzen hinweg nach Europa schicken kann?

Seit Mittwoch gibt es nun die Möglichkeit, für seine Favoriten abzustimmen.
Die Tageszeitung Karjalainen freute sich gestern über die höhere Wahlbeteiligung am ersten Tag der Vorabwahlen und spekulierte gar, dass die Kandidatur von Timo Soini, die Wahlbeteiligung anheizen könnte.
Recht hat die Zeitung sicher in dem Punkt, dass mancher noch vor den Ferien an die Wahlurne wollte, denn zu allen anderen Punkten, die die Wahlbeteiligung nach unten drücken, kommt ganz noch der für Finnland ungünstige Zeitpunkt hinzu.

(30.05.2009, 13.00 Uhr)

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