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Zum ersten Mal in der Geschichte Finnlands hat ein finnisches Gericht in einem Prozess wegen Völkermordes zu entscheiden.
Vor dem Amtsgericht Porvoo hat sich ein aus Ruanda stammender Mann zu verantworten, dem Verbrechen gegen das Völkerrecht und die Menschlichkeit vorgeworfen werden.
Er soll am Völkermord in Ruanda, dem 1994 800.00 Menschen zum Opfer fielen, beteiligt gewesen sein.
Ersatzweise wird er des 15 fachen Mordes, unter anderem an einem 12 jährigen Jungen und einem kleinen Baby, angeklagt.
Das Urteil wird in der ersten Hälfte des nächsten Jahres erwartet.
Die Höchststrafe für Mord und Völkermord ist nach finnischem Recht eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Das Ermittlungsverfahren und der Prozess sind sehr aufwendig.
Da die meisten Zeugen im Ausland leben, werden Richter, Staatsanwälte und Verteidiger im September für vier Wochen nach Ruanda reisen, um die 35 Zeugen der Anklage, die über Afrika verstreut beheimatet sind, zu hören.
Das finnische Justizministerium schätzt, dass die Kosten des Prozesses über eine Million Euro betragen werden. Sollte der Prozess über mehrere Instanzen gehen, steigt diese Summe weiter an.
Warum findet ein derart umfangreiches und kostenintensives Verfahren in Finnland statt?
Der Angeklagte hat seinen Wohnsitz in Finnland. Er kam im Jahr 2003 nach Suomi und hat Asylantrag gestellt. 2007 wurde er wegen des Verdachts der Teilnahme am Völkermord in Ruanda inhaftiert.
Der 1994 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen geschaffene Internationale Strafgerichtshof für Ruanda hat seine Tätigkeit inzwischen eingestellt.
Zudem hat Finnland einem Ersuchen der ruandischen Behörden den Beschuldigten auszuliefern, nicht entsprochen. Es war befürchtet worden, dass den Mann dort kein fairer Prozess erwarte.
Während Menschenrechtsgruppen danken und loben, dass der Prozess in Finnland stattfinden kann, stehen seine Kosten von verschiedenen Seiten unter Kritik.
Zu Verhandlungsbeginn hat der Angeklagte alle Vorwürfe gegen seine Person bestritten.
(08.09.2009, 17.00 Uhr, Quellen: YLE, Suomen Kuvalehti)
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