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Finnland-News Juli 2009: 25.07.2009

Das Saimaa-Kanalmuseum in Lappeenranta - ein Reisebericht

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Zu Besuch im Saimaa-Kanalmuseum in Lappeenranta

Der finnische Sommer zeigt sich von seiner besten Seite: nach einigen Tagen Hitze pur, giesst es wie aus Kannen.
Eine gute Gelegenheit ein lokales Museum zu besuchen.
Und wie ich so nachdenke, welches, geht mir auf: Südkarelien hat sein eigenes Wetter.
Mehr Sonne im Sommer, richtige Stürme wenn es regnet, mehr Frost im Winter als anderswo in Finnland.
Deshalb sind die südkarelischen Fichten die begehrtesten in Finnland, deshalb sind die Anlagen rund um den Saimaa-Kanal schon immer herrliche Parks mit üppiger Vegetation gewesen.
So auch heute rund um das Kanalmuseum.

Das von der Schifffahrtsverwaltung unterhaltene und von Arja Ylä-Outinen betriebene Museum ist ein Kleinod.
Es befindet sich in Mälkiä-Mustola, dort wo die neue Fernstrasse Nummer sechs gerade in Richtung Imatra erweitert wird und wo der Saimaa-Kanal seinen Anfang nimmt.

Die Ausstellung im ehemaligen, prächtigen Dienstgebäude des Bezirksleiters der oberen Kanalverwaltung von 1845 zeigt die Geschichte des Kanalbaus in seinen verschiedenen Phasen.
Auch der historisch wertvolle Hof ist restauriert worden.
Im Museumskomplex befinden sich zudem mehrere Gebäude mit historischen Gerätschaften.
Rundherum kann man in einem Park, der Urho Kekkonen, dem finnischen langjährigen finnischen Präsidenten (1956-1981) gewidmet ist, Abschnitte des alten Kanals besichtigen.

Bau des Saimaa-Kanals Der alte Saimaa-Kanal Modell des Saimaa-Kanals Kekkonen Denkmal am Saimaa-Kanalmuseum

Arja erzählt und zeigt mir die Kanalbaugeschichte im Detail.
Lappeenranta am Südufer des Saimaa-Sees war im Mittelalter ein Zentrum für Teer und Holz.
Wyborg und St.Petersburg wuchsen und benötigten Waren und Materialien.
So entstand schon im Jahre 1499 die Idee, einen Wasserweg vom Saimaa-See in die Ostsee aufzuschlagen.
Mit dem Bau wurde auch damals und später noch einmal im 17. Jahrhundert begonnen. Ohne jeden Erfolg.
Das lag daran, dass der Anfang der Grabungen dort gemacht wurde, wo der allermächtigste Felsengrund besteht.

Erst im Jahre 1812, als Finnland autonomes Gebiet Russlands war, haben der finnische Senator Lars Gabriel von Haartmann und der russische General Alexander Menshikov dem Zaren Nikolai I. das Kanalprojekt unterbreitet.
Der Umfang des Projektes hat das finnische Staatsbudget weit überschritten.
Der Vater des finnischen Nationalismus, J.V. Snellman hat den Bau öffentlich befürwortet, allerdings glaubte er damals nicht, dass jemals Grossindustrie angezogen werden könnte.
Gebaut wurde der Saimaa-Kanal von 1845 bis 1856. Es entstanden 28 Schleusen an 15 Orten.
Ein Höhenunterschied von 76 Metern musste überbrückt werden.
Die recht komplizierten Berechnungen und Bauarbeiten werden im Museum hervorragend präsentiert.

Durch den rapiden Anstieg der Verkehrs-und Transportzahlen machte sich der Kanal in nur 25 Jahren bezahlt.
Für ganz Südost-Finnland war der Kanal ein Gewinn.
Er brachte internationalen Verkehr und Wohlstand in Form von Handel mit sich.

Im Museum ist eine Miniaturlandschaft der Schleuse Juustila zu sehen.
Was für eine putzige Gegend!
So kenne ich aber aus meiner Jugend auch die Schleuse von Tuomoja, die es inzwischen nicht mehr gibt und an der mein Elternhaus steht.

Mit der Zeit wurde der Kanal dann für den Verkehr zu klein und im Jahr 1926 wurden Erweiterungsarbeiten eingeleitet.
Jedoch wurde der Bau vom zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen, als etwa 38 Prozent fertiggestellt waren.

Die Hälfte des Kanals blieb nach dem Krieg auf russischem Gebiet.
Was tun? Urho Kekkonen wusste Rat.
Er handelte mitten im kalten Krieg in den 60er Jahren mit der Sowjetunion einen 50-Jahresvertrag aus, in dem Finnland ein Gebiet für den Neubau pachtet, einen neuen Kanal darauf baut und betreibt.
Die dritte Bauphase dauerte von 1963 bis 1968.
Der Kanal hat nun acht Schleusen und ist 42,9 km lang.
Auch der neue Kanal hat die Erwartungen erfüllt.
Im Jahre 1990 z.B. wurden 1,93 Millionen Tonnen Fracht über den Kanaltransportiert.
Im Moment gehen die Transportzahlen zurück und es wird gerade über eine Verlängerung des Staatsvertrages zwischen Finnland und Russland verhandelt.

Touristisch ist der Saimaa-Kanal noch immer eine Reise wert.
Heute kann man Wyborg wieder ohne Visum besuchen.
Wyborg hat sein finnisches Aussehen von vor dem Krieg bewahrt und ist heute wieder ein reger Handelsplatz.

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Im Cafe des Saimaa-Kanalmuseums Leiterin des Saimaa-Kanalmuseums Gebäude des Saimaa-Kanalmuseums Saimaa-Kanal

Arja, die Kunsthandwerk studiert hat, betreibt im Museumsgebäude ein Café mit selbstgebackenem Kuchen und traditionellem finnischen Hefegebäck.
Man kann bei ihr auch kanalbezogene Literatur und Souvenirs kaufen.
Sie bietet auch Partyservice an und weiss was Kunden und Besucher mögen.

Ortsfremde erfahren leider noch viel zu selten, dass es so ein Museum gibt.
Aber diejenigen die kommen, sind bisher alle positiv überrascht gewesen.
Der Saimaa-Kanal ist nicht nur für die lokale Geschichte bedeutend, sondern für die ganze finnische Nation.

In dieser Woche dreht eine Fernsehreportergruppe des RTR aus Russland einen Film über den Kanal und das Museum.
Der Film wird später in andere europäische Sprachen übersetzt und auch auf mitteleuropäischen Fernsehkanälen zu sehen sein.

Ich verlasse das Museum viel reicher im Wissen um finnische Geschichte.
Es wäre zu wänschen, dass die Stadt Lappeenranta endlich entdeckt, was für einen Museums-Juwelen es in ihrem Gebiet gibt.

Öffnungszeiten des Saimaa-Kanal-Museums: bis 16.8.09 täglich von 11 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene 3 Euro.

(P.W., 25.07.2009, 23.30 Uhr)

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